Audio Technology

LiveSpeech

Eine neue Geschichte die ich mir hab einfallen lassen ist unser LiveSpeech System.
In vielen Studios, sei es private Tonstudios oder Radiostationen, und sogar bei vielen freiberuflichen Sprechern steht ein so-genanntes Musictaxi mit dem Audio von einem Ort zum anderen übertragen werden kann. Vorteil dieser Geräte ist sicherlich ihre Zuverlässigkeit. Zumindest vermute ich das, ich hab noch keins in irgendeiner Produktion in Betrieb gehabt, allerdings zeigt das System auf den ersten Blick recht wenige potentielle Fehlerquellen auf. Die Nachteile dieses quasi Standards überwiegen allerdings meiner Meinung nach deutlich. Es entspricht einfach nicht mehr den heutigen Möglichkeiten.
Für eine Übertragung via Musictaxi benötigt man mehrere ISDN Leitungen. Man überträgt Mpeg2 bzw. Mpeg2 Audio Layer 3 (MP3) komprimiertes Audiomaterial um eine Produktion in einem entfernten Studio mitverfolgen zu können, oder aber um eine Audioquelle direkt in Echtzeit in einem entfernten Studio einzubinden. Ganz zu schweigen von dem zusätzlichen Techniker, der sicherlich bei solchen Übertragungen immer dabei ist. Auf beiden Seiten muss ein Musictaxi kompatibles Gerät zur Verfügung stehen. Und ja, es ist sehr teuer. Alleine das Gerät zur Übertragung selbst.

Nun, ich denke wir sollten nicht in solch veraltete Technik investieren, zumal mir eine bessere Lösung eingefallen ist, die ich "LiveSpeech" genannt habe. Im Grunde sende ich das, was in unserem Tonstudio gerade produziert wird an einen Server. Das bereitgestellte Audiosignal ist absolut flexibel was Codec und Kompression, sowie Qualität betrifft, und ist natürlich von der Bandbreite des Hauseigenen Internetzugangs abhängig. In Zeiten von ständig schneller werdenden DSL Anschlüssen sicherlich eine Lösung mit realistischer Perspektive auf umkomprimierte Audio Übertragung. Zum Vergleich nochmal: Via Musictaxi ist MP3 mit 128 kbits/sec und 44.1 khz Gang und Gebe. Es nun wirklich effektivere Codecs mitlerweile. AAC um nur ein Beispiel zu nennen.

Die Gegenstelle empfängt also genau wie bei Musictaxi ein Echtzeit Signal über das Real-Time Streaming Protocol mit dem Unterschied, dass es nicht mehr als den Quicktime Player oder andere RTSP kompatible Player benötigt, und schon ist man dabei. Die meisten Leute können eine Produktion so direkt im Browser live mitverfolgen. Es können auch beliebig viele an der Produktion live teilnehmen. Das ist ja der eigentliche Gag an einem Streaming Server.
Zwecks Einbindung in Arrangements anderer Studios gibt es z.B. für Logic ein Plugin das solche Streams empfangen kann. Einfach Spur in Logic scharfstellen, Plugin wählen, Url eingeben und direkt die Spur recorden.
Inwiefern ein solches Plugin für andere Programme wie ProTools, Cubase und Konsorten verfügbar ist, habe ich noch nicht gecheckt, mache ich als nächstes.
Ebenso bin ich noch dabei Latenz Faktoren zu eliminieren sogut es geht.

Für eine Kommunikation aller Teilnehmer während einer Produktion bietet sich einfach Skype an.
Ich stelle mir als folgende mögliche Konstelation vor:

In unserem Studio steht ein Sprecher im Aufnahmeraum und soll aufgenommen werden. In einer anderen Stadt wartet bereits ein anderes Studio auf die Sprachaufnahmen, da sie den Sprecher gleich weiterverarbeiten wollen. Weiter nimmt eine Redakteurin und oder ein Producer an der Sitzung teil. Ebenso möglicherweise ein Regisseur oder sogar Endkunde. Alle können gleichzeitig das Ergebnis aus dem Studio mitverfolgen und zwar live. Der eine im Studio, der anderen von zu hause, die andere vielleicht aus dem Café mit Wireless LAN und baldiger Zukunft vielleicht jemand direkt über sein Handy via UMTS im Auto.

Ich bin gespannt was die Praxis zeigen wird. Die ersten Produktionen mit diesem neuen System stehen bereits an.

Sebastian von Overheidt
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